die neue marke wwu!?
ein aspekt von kommerziellen entwicklungen an hochschulen ist das – maßgeblich durch das che vorangetriebene – hochschulmarketing und der “wettbewerb zwischen den hochschulen”. dieser ideologie folgend suchen sich die hochschulen ihre studierenden nach schwammig definierten auswahlkriterien selbst aus. die potentiellen interessentInnen wählen sich “ihre” hochschule in zukunft aufgrund von werbung und ranking und nicht weil sie in der nähe des elternhauses liegt oder alle freunde dort studieren. marketingexpertInnen schaffen sich hier ein scheinbar lukratives neues geschäftsfeld und es ist schon wundersam, dass für solche dinge den hochschulen ausreichend finanzmittel zur verfügung stehen.
so musste die “wwu” also marke werden. wie die uni münster im februar in einer pressemitteilung über sich verlauten liess, sollte sie nun ein “neues Gesicht” bekommen und wurde auf “Basis eines Kommunikationskonzepts” und mittels “Corporate Design” zur “Marke WWU”:
Ziel ist ein einheitliches, unverwechselbares und modernes Erscheinungsbild der Universität Münster.
wo das geld für diese identitätsstiftende maßnahme herkommt wird nicht verraten. die einzige neue einnahmequelle, die sich die uni in letzter zeit geschaffen hat, ist ja bekanntlichermaßen zweckgebunden. aber vielleicht heiligt der zweck ja die mittel und so könnte die eine oder andere zweckbindung durch umschichtung umschifft werden und die studierenden tragen auch ihren teil zum großen wilhelm bei.
zurück in die zukunft oder moderne trifft revisionismus
dieses moderne erscheinungsbild wurde nun gestern auf dem schlossgartenfest der uni feierlich vorgestellt. das neue logo der uni besteht jetzt aus ein paar horizontalen linien und einem serifenlosen schriftzug. so soll nun also die neue identität für eine moderne hochschule und “selbstbewusste Marke” stehen, wobei allerdings der name der uni selbst bei der aktuellen identitätsneufindung scheinbar nie in frage gestellt wurde.
so scheiterten in der vergangenheit bisher alle versuche, die wwu, die nach dem letzten deutschen kaiser wilhelm II. benannt ist, umzutaufen. spon schrieb im jahre 2005, also vor nicht allzu langer zeit:
Student[Inn]envertreter entfachten eine hitzige Debatte, weil der letzte deutsche Kaiser ihnen als Kriegstreiber und Judenhasser galt, kurzum “eine der negativsten Gestalten der deutschen Geschichte”. Auch eine Senatskommission votierte für eine Namensänderung wegen der “antisemitischen Ausfälle” und der radikalen Kolonialpolitik Wilhelms. “Westfälische Friedens-Universität” galt als aussichtsreicher Kandidat (wegen des westfälischen Friedens von 1648), doch das [damalige] Rektorat setzte sich über alle Vorschläge hinweg und machte einen Kniefall vor der Tradition.
einheitlich, verwechselbar, modern
jetzt fehlen der uni eigentlich nur noch die einheitlichen, (un)verwechselbaren, modernen studierenden. der asta der uni münster, der sich das gestrige schnittchenfuttern auf dem sommerfest natürlich nicht entgehen lassen konnte, hat diesen neuen homogenfreundlichlächelnden idealen studierendentypus auf einem plakat entdeckt und fotografiert. der asta der fu berlin lieferte kürzlich in einer pressemitteilung eine passende definition für diesen neuen studierendentyp:
Hier sähe man lieber eine homogene, freundlich lächelnde Masse in Shirts und Pullis mit FU-Logo, die “Corporate identity” demonstriert und gesellschaftliches Engagement bestenfalls simuliert.


nanu, das ist das neue logo? nee, ist ein scherz, oder? wer soll das denn entschieden haben?
ich meine, mal ehrlich, ein wenig werden sich das rektorat oder wer auch immer sich zuständig fühlen mag im vorfeld informiert haben. dabei wird herausgefunden worden sein, daß eine symetrische offene form (linien, die ein vielfaches ihrer stärke parallel voneinander entfernt liegen, sind eine solche “offene form”) sich denkbar schlecht als logo eignet, alleine schon weil sie nur mit ausreichendem abstand von allen übrigen objekten noch als form erkennbar ist. außerdem wirkt soetwas fahrig und unentschlossen, also irgendwie mut- und charakterlos. ich geh gleich mal gucken, ob ich das buch auf die schnelle finde, wo man das nachlesen kann. ansonsten hoffe ich hier auf die expertise der designstudis.
dem neuen logo fehlt darüber hinaus jegliche prägnanz. und dank des einheitsgraus (auch ich verwende immer mal wieder grau, das ist nicht der punkt) und der extremen reduzierung will nicht mal soetwas wie ein räumlicher effekt entstehen, der das ganze vielleicht hätte retten können (dadruch, daß die linien, wenn sie als über dem papier schwebend wahrgenommen würden, wieder eine geschlossene form abgrenzen könnten).
nun denn, soviel zur designkritik. was uns studis betrifft: ich nehme längst an der uniformierung teil, ich habe mir nämlich vor ein paar tagen ein boykott-t-shirt am asta-stand in der mensa gekauft (nur 4 euro), das ich jetzt täglich trage
1. Logo: Gesehen, gelacht…gelacht….gelacht, gelöscht
Eine Universität ist ein Ort, an dem einem Wissen vermittelt wird. Dies ist eine ernste und seriöse Angelegenheit, denn sie prägt diese Welt und sie prägt meine Zukunft. Das Logo sieht aus wie das eines jeden anderen Startups. Einfach so hingerotzt.
2. Jochen, du sollst das dingen auch mal waschen.
Oder kauf dir 3, wie ich.
hackwar, das nennt sich dann “stallgeruch”
[...] AStA sich, ob es sich bei dem “Barcode” um Werbung für Studienkredite handelt und bei hopowatch, das in dem Zusammenhang auch mal den Namen “Wilhelms”-Universität in Frage stellt, [...]
[...] hopowatch über den ein paar jahre zurückliegenden streitfall “wilhelms universität” berichtet hat, hat sich auch der asta in seinem newsletter diesem thema angenommen und ein [...]
[...] wurden. darüber hinaus kann mensch auch zu der erkenntnis kommen, dass die uni neben dem rückwärtsgewandten namen auch die alte rechtschreibung [...]