im kommenden sommersemester wird es mit an sicherheit grenzender wahrscheinlichkeit keinen erneuten versuch geben studiengebühren an der uni münster zu boykottieren. so hat sich bereits vor weihnachten abgezeichnet, dass es mit dem studiengebührenboykott für das sommersemester wohl nichts mehr wird. daran kann eine kurz vor weihnachten ins leben gerufene boykottgruppe wohl auch nichts mehr ändern.
das studierendenparlament hat das thema studiengebührenboykott verzögert und ausgesessen, so dass ziemlich schnell klar wurde, dass ein boykott schon allein aus zeitmangel kaum mehr zu stemmen ist, was andere hochschulen übrigens nicht davon abgehalten hat.
es scheint momentar unklar, in wie weit das sp und der asta nun noch für einen erneuten boykott sind oder nicht. als verzögernde maßnahme forderten die sp-parlamentaristInnenerst einmal, dass eine ausserparlamentarische boykottgruppe den ganzen boykott vorbereiten soll und dass sich die fachschaften und die fachschaftenkonferenz auch eine meinung dazu bilden sollen.
nun hat sich also eine boykottgruppe gebildet, die sich bereits vor weihnachten getroffen hat, um allgemeine organisatorische fragen eines boykotts zu diskutieren. auf diesem treffen wurde beschlossen, erst wieder im sommersemester (also zum wintersemester 08/09) einen studiengebührenboykottversuch zu starten, aber bereits jetzt mit der vorbereitung zu beginnen.


Bei derartigen Verzögerungen frage ich mich welche Wirkung so ein Boykott(versuch) denn dann in ferner Zukunft haben wird. Nachdem der erste ja schon an dem Quorum gescheitert ist und sich tatsächlich nur eine kleine Minderheit daran beteiligt hat bin ich der Meinung dass ein weiterer Boykott nur Zeitverschwendung ist. Boykott muss aus Protest hervorgehen, aber wo bitte ist denn der Protest? Da sich die meisten anscheinend mit Studiengebühren abgefunden haben wird ein Boykott-Versuch nur müde belächelt werden können. Studiengebühren sind (leider!) Wirklichkeit.
Ohoh, tolle Argumentation. Weil die Todesstrafe in den USA und China Realität ist, sollte man am besten das überall einführen und sich auch nicht dagegen wehren. Das, wie bei Studiengebühren, die Todesstrafe in der Mehrheit der Länder verboten ist, ist ja dann auch egal.
Zurück zum Thema Studiengebühren: Ich danke hier dem Statistischen Bundesamt, welches so schön aufgearbeitet hat, wie durch Studiengebühren weniger Menschen studieren und wie dadurch nicht nur diesen einzelnen Menschen geschadet wird, sondern auch dem Staate Deutschland selber. Die Ignoranz der schwarz-gelben Politiker für eine kurzfristige homöopathische Verbesserung der Finanzlage die Zukunft der gesamten deutschen Gesellschaft aufzugeben, ist wirklich schon umwerfend.
Ich hab das hier schon einmal früher ausgerechnet. Jeder Mensch in diesem Land, der nicht studiert, kostet den Staat ca. eine halbe Million Euro an Steuereinnahmeausfällen. Was ist schlimmer? 5000 Euro an Studiengebühren “verlieren” und dazu evtl. einen sinnvollen Bafög Satz (700 Euro pro Monat vielleicht) und damit den Staat 26.000 Euro kosten oder nicht studieren und den Staat damit ca. 500.000 Euro kosten? Das sind Renditen von 2000%. Da kommt kein Anlagebetrüger, äh, -berater mit.
1) Was soll das? Unterstellst du mir ich würde mich nicht gegen die Einführung der Todesstrafe wehren? Ich bin nie für Studiengebühren gewesen, aber die Mehrheit der Studierenden wehrt sich nicht gegen Studiengeübühren. Was soll da ein Boykottaufruf bringen? Müsste man nicht erst ein Bewusstsein schaffen dass man sich wehren muss? Sonst kann ein Boykott keine Wirkung erzielen. Daher würde ich weniger versuchen einen weiteren (sinnlosen) Boykott durchzuführen sondern den Studis klarmachen, daß man sich wehren muss. Wenn sie bereit sind zu protestieren, dann kann man auch einen Boykott durchführen.
2) “Jeder Mensch in diesem Land, der nicht studiert, kostet den Staat ca. eine halbe Million Euro an Steuereinnahmeausfällen.” Kannst du das bitte erklären? Welche Steuern bezahlen denn Studierende mehr als z. B. Auszubildene?
für einen boykott brauchst du nicht die mehrheit…
über 5000 leute haben für einen boykott gestimmt, das ist nicht gerade eine kleine minderheit
Ich hab die Rechnung für Azubis und Studis hier in einem früheren Kommentar schon einmal aufgemacht und nicht wirklich große Lust das neu aufzurollen. Das ganze basiert allerdings darauf, das jemand mit Ausbildung vielleicht 1800 Euro pro Monat verdient, jemand mit Studium vielleicht 5000 Euro. Freibeträge, niedrigere Steuern (progressives Steuersystem und so) bedeuten für den Absolventen eines Ausbildungsberufs eine Steuerlast im Bereich von wenigen hundert Euro, während der Studierte irgendwo bei 2000 Euro hängt. Das macht dann trotz der kürzeren Lebensarbeitszeit, Mehreinnahmen von ca. einer halben Million Euro bei einem Studi für den Staat. Es ist also bei weitem nicht so, das die Putzfrau das Studium des Arztsohnes bezahlt.
Zu deinem ersten Punkt: Es bringt gar nichts, den Leuten irgendwas zu erzählen, wenn sie kein Ziel haben, auf das diese Informationen hinleiten. Denen einfach zu sagen “Ihr müsst euch wehren!” dann aber nichts weiter zu sagen, bringt null-komma-nix. Gerade bei einem Boykott jedoch kriegt man die Leute mobilisiert und sie sehen auch WIE man sich wehren kann. Ein Boykott ist alles andere als sinnlos.
hi hannes!
du schreibst:
“Denen einfach zu sagen “Ihr müsst euch wehren!” dann aber nichts weiter zu sagen, bringt null-komma-nix. Gerade bei einem Boykott jedoch kriegt man die Leute mobilisiert und sie sehen auch WIE man sich wehren kann. Ein Boykott ist alles andere als sinnlos.”
soweit gebe ich dir recht. ein _verschobener_ boykott allerdings ist sinnlos, ist doch das einzige, was davon bleibt, die wahrnehmung, daß zur durchführung des boykotts der mut fehlte. währenddessen machen sich die studiengebühren weiter breit und werden normalität…
alles hat seine zeit, doch die für sinnvolle boykotte läuft langsam aber sicher ab.
jochen
Hallo Hackwar,
sehr gut die Juso-Broschüren studiert… aber die Welt ist nicht immer so einfach wie dort.
Ich will Studiengebühren hier nicht das Wort reden, aber ein paar Anmerkungen zur Komplexität machen.
Die Studie auf die du dich beziehst, Hackwar, wird sicherlich Sturn/Wohlfahrt (2000):Umverteilungswirkungen der öffentlichen Hochschulfinanzierung in Deutschland http://www.studis.de/lak-bawue/material/dsw-gutachten_sturn-wohlfahrt.pdf sein. Problem dabei ist, dass die Zahlen von vor 2001 sind, also dem Inkrafttreten der Rot-Grünen-Steuerreform. Diese hat Vielverdiener massiv entlastet, durch die Mehrwertsteueranhebung kam noch mal eine zusätzlich höhere Belastung von Geringverdienern hinzu. Ob die Verteilungswirkungen jetzt also auch noch gelten, ist schwer zu beurteilen.
(PS.: Interessante Zusammenfassung gibt es unter: http://www.bundestag.de/bic/analysen/2007/Zu_den_Umverteilungswirkungen_staatlicher_Hochschulfinanzinanzierung.pdf)
Desweiteren argumentierst du unter ceteris paribus, also der Annahme, dass alles andere gleich bleibt, wenn du schreibst:
“Jeder Mensch in diesem Land, der nicht studiert, kostet den Staat ca. eine halbe Million Euro an Steuereinnahmeausfällen.”
Nur ist der Einkommensvorteil aus Bildung nicht nur absolut zu sehen, sondern hat auch eine starke relative Komponente: Wenn alle ArbeitnehmerInnen in Deutschland einen Studienabschluss hätten, wäre deren Einkommen im Durchschnitt sicherlich nicht so hoch wie das heutige durchschnittliche Akademikereinkommen. Wenn du dazu mal das Oberflächenkratzen überwinden willst:
Bourdieu, Pierre et. al. 1981. Titel und Stelle. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.
oder auch
Bourdieu, Pierre/Passeron, Jean-Claude. 1971. Die Illusion der Chancengleichheit. Stuttgart: Klett.
Zudem finde ich die Begründung, dass sonst der “Zukunft der gesamten deutschen Gesellschaft” geschadet wird, sehr niedlich patriotisch… mit der Begründung könnte man auch zur Bundeswehr gehen… schließlich verteidigt die gerade die “Zukunft der gesamten deutschen Gesellschaft” am Hindukusch (http://www.tagesschau.de/inland/bundeswehr26.html)
Mit dem Verweis auf destatis (http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/BildungForschungKultur/Hochschulen/Tabellen/Content50/StudierendeInsgesamtHochschulart.psml) sprichst du zwar ein wichtiges Thema an, aber es ist vielleicht auch hier wieder nicht so einfach wie gedacht. Es gibt drei sich überlagernde Effekte:
1. Einführung allgemeiner Studiengebühren – welche die Studierendenzahlen senken dürften
2. Einführung von Ba/Ma – welche die Studierendenzahlen senken, da weniger Bachelor/Master-Studienplätze entstehen, als alte Diplom und Magister abgebaut werden. Folglich steigen die Orts-NCs drastisch an.
3. Steigende Abiturientenzahlen – führen zu potentiell mehr Studierenden.
Jetzt kann man aus den Zahlen von destatis nicht mehr so einfach(e) Schlüsse ziehen…
Zum Boykott schreibst du:
“Es bringt gar nichts, den Leuten irgendwas zu erzählen, wenn sie kein Ziel haben, auf das diese Informationen hinleiten. Denen einfach zu sagen ?Ihr müsst euch wehren!? dann aber nichts weiter zu sagen, bringt null-komma-nix. Gerade bei einem Boykott jedoch kriegt man die Leute mobilisiert und sie sehen auch WIE man sich wehren kann.”
Diese Position finde ich ja mal ganzschön voluntaristisch. Das Fußvolk kann mit Informationen nichts anfangen, die haben dann kein Ziel. Hackwar hingegen kann mit den Informationen sehr viel anfangen und organisiert dann zusammen mit den anderen Checkern im AStA einen Boykott… dadurch kriegt man die Leute “mobilisiert” und die “sehen”… “WIE man sich wehren kann.”
… man man man…
Vielleicht verhält es sich genau andersherum… ihr solltet euch erstmal informieren… und dann versuchen Politik zu machen… dann kommt vielleicht auch mehr dabei heraus als Angst um “die Zukunft der gesamten deutschen Gesellschaft”…
Wenn man einen Boykott macht, dann doch einen mit Erfolgschance, oder? Und der Boykott fürs SoSe 08 hätte im Januar/Februar 2008 (also jetzt) laufen müssen. Unschaffbar. Also doch lieber einen etwas größer aufgezogenen Boykott zum WiSe 08/09.
Dann sieht es auch nicht so aus, dass man einfach jedes Semester boykottiert. Und hoffentlich sind bis dahin auch die Studiengebühren in Hessen wieder abgeschafft. Mit dieser Entwicklung im Rücken könnte ein Boykott funktionieren. Ein Boykottversuch im Januar 2008 hätte scheitern müssen.
Ich würde mal sagen, alles reine Spekulation.
Aber hey, das hört sich ja ganz nach einem Juso an, der noch an seine große Mutterpartei glaubt …
Das Problem ist, dass (nach einer Mehrheit bei der Urabstimmung) das ausführende Gremium (AStA) im beschlussfassenden Gremium (StuPa) vorgeschlagen hat, die Entscheidung (!!!) an das Zustandekommen einer Aktivengruppe zu verlagern, anstatt im Dezember mit den Vorbereitung für den Boykott zu beginnen, der dann direkt ab Anfang Januar hätte anlaufen können.